⌖ Heft I · Mai 2026
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24. Mai 2026

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Wege · 12min

Sieben Hofläden auf 42 Kilometern — Radtour durchs Werderaner Obstland

Von Werder (Havel) über Glindow, Plötzin, Töplitz und zurück. Eine Tagesradtour zwischen blühenden Obstplantagen, mit konkreten Stopps, Verkaufsangeboten und einem Bratapfel-Kuchen, der sich lohnt.

Fahrrad an einem Holzschild mit Hofladen-Pfeil, im Hintergrund blühende Obstbäume
— Fahrrad an einem Holzschild mit Hofladen-Pfeil, im Hintergrund blühende Obstbäume —

Das Werderaner Obstland — jene leicht hügelige Landschaft zwischen Potsdam und Brandenburg an der Havel, die seit dem späten 19. Jahrhundert als eines der größten zusammenhängenden Obstanbaugebiete Norddeutschlands gilt — ist im Mai eine Empfehlung an sich. Die Apfelblüte ist Mitte Mai am Höhepunkt, die Süßkirschen sind kurz davor, die ersten Erdbeerfelder unter Folientunneln tragen erste reife Früchte, und auf den Hofläden lagern noch die letzten Birnen aus der Vorjahresernte, die im Kühllager gut überwintert haben. Eine Radtour an einem Maisamstag durch diese Region ist die produktivste Form, sich gleichzeitig zu bewegen und einzukaufen.

Die folgende Tour ist 42 Kilometer lang, fast vollständig flach (höchste Stelle: 65 Meter über NN bei Glindow), beschildert nur teilweise — ich empfehle den Werderaner Obstland-Radweg in Kombination mit einer ausgedruckten Übersichtskarte aus dem Tourismusbüro Werder. Sie ist an einem Tag gut zu schaffen, wenn man früh startet und an den Hofläden nicht zu lange verweilt. Wer länger verweilt, plant zwei Tage und übernachtet in Werder, was angesichts der vorhandenen Pensionen problemlos möglich ist.

Anreise und Start

Mit dem RE1 aus Berlin Hbf nach Werder (Havel), Fahrtzeit 38 Minuten, Fahrradmitnahme im Zug ist außerhalb der Rush Hour (vor 6 Uhr und nach 9 Uhr werktags, ganztags am Wochenende) unproblematisch. Der Bahnhof Werder liegt etwa fünfzehn Minuten Radfahrweg vom Stadtkern entfernt; ich empfehle, vom Bahnhof aus zunächst in Richtung Innenstadt zu fahren und dort am Café Petzold in der Eisenbahnstraße 12 einen kurzen Frühstücksstopp einzulegen — die Hauspflaumenmarmelade ist hausgemacht, die Brötchen vom benachbarten Bäcker Friedrichshof, und der Kaffee gut. Ab 7 Uhr werktags, ab 8 Uhr am Wochenende geöffnet.

Vom Café aus geht es nach Süden über die Petzowbrücke aus der Stadt heraus, dann auf einem ausgeschilderten Radweg in Richtung Glindow. Hier beginnt der eigentliche Obstgürtel.

Stopp 1 — Hofladen Plagemann, Glindow (km 5)

Adresse: Phöbener Straße 47, 14542 Werder/Glindow Öffnungszeiten: Mo–Fr 9–17 Uhr, Sa 9–14 Uhr, So geschlossen Angebot: Äpfel (Lagerware vom Vorjahr — Boskoop, Holsteiner Cox, Topaz, etwa 1,80 €/kg), eingelegte Süßkirschen aus der eigenen Brennerei (Glas 250 ml, 6,80 €), Apfelsaft naturtrüb aus eigener Mosterei (1l-Flasche 3,20 €), und die berühmten Plagemannschen Apfelringe (getrocknete Apfelringe in Tüten zu 100g, 4,50 €)

Plagemann ist seit den 1920er-Jahren in Familienbesitz, mittlerweile in der vierten Generation. Der Hofladen ist klein, mit einer Glasvitrine, in der die selbstgemachten Marmeladen stehen, und einem Holzregal für die Säfte. Was den Hof auszeichnet, sind die Trockenfrüchte — die Familie betreibt seit den 1980er-Jahren eine eigene Schnittrocknungsanlage und stellt damit Apfel- und Birnenringe in einer Qualität her, die in Brandenburg kaum sonst zu finden ist. Wer auf Tour gehen will, sollte hier eine Tüte für die Pause einkaufen.

Stopp 2 — Obsthof Lindner, Glindow-Süd (km 8)

Adresse: Am Großen Plessower See 3, 14542 Werder/Glindow Öffnungszeiten: Mi–Sa 10–18 Uhr, Sonntag 10–14 Uhr, Mo+Di geschlossen Angebot: Erdbeeren aus Folientunneln (im Mai erste Saisonware, 4,80 €/500g), Selbstpflückbereich ab Anfang Juni, hausgemachte Erdbeerkonfitüre (4,20 € / Glas), und eine kleine Auswahl regional gebrannter Spirituosen aus eigener Brennerei (Apfelbrand 38%vol, 0,5l 24 €; Kirschwasser 40%vol, 0,5l 28 €)

Familie Lindner hat sich auf Erdbeeren und Brennerei spezialisiert. Wer im Mai kommt, sollte den frischen Erdbeerkuchen bestellen, der mittwochs bis freitags ab 14 Uhr im kleinen Hofcafé serviert wird (Stück 3,90 €, mit Schlagsahne 4,50 €). Der Hof liegt direkt am Großen Plessower See, was einen kurzen Abstecher zum Uferweg lohnt, bevor man weiterfährt.

Stopp 3 — Imkerei Wernicke, Petzow (km 14)

Adresse: Petzower Allee 22, 14542 Werder/Petzow Öffnungszeiten: Do–So 11–17 Uhr, sonst Vorbestellung Angebot: Honig aus Obstbaumblüte (500g-Glas 9,80 €, sehr fein im Aroma), Lindenblütenhonig (ab Juli), Wabenhonig (10x10cm Stücke, 14 €), Bienenwachskerzen und Met (Honigwein, 0,5l 12 €)

Die Imkerei Wernicke ist klein — nur 40 Völker —, aber alle Bienenstöcke stehen mitten in den Werderaner Obstplantagen, was sich im Aroma niederschlägt. Der Obstblütenhonig (geschleudert im Mai-Juni) ist ein Saisonprodukt, das im Mai gerade neu produziert wird und in den ersten Wochen nach Schleuderung am intensivsten schmeckt. Wer das Glück hat, an einem Maitag dort vorbeizukommen, kann oft die ersten Gläser der frischen Saison kaufen.

Stopp 4 — Mittagspause: Gasthof Zum Anker, Petzow (km 15)

Adresse: Am Schwielowsee 8, 14542 Werder/Petzow Öffnungszeiten: Di–So 11:30–22 Uhr, Mo Ruhetag

Der Gasthof Zum Anker liegt am südlichen Ufer des Schwielowsees und ist die richtige Adresse für die warme Mittagsmahlzeit auf dieser Tour. Die Karte ist klassisch brandenburgisch: gebratener Zander aus dem Schwielowsee (24,50 €, fangfrisch aus regionaler Fischerei), Spargel mit Schinken und neuen Kartoffeln (Saisonsgericht im Mai, 21,80 €), Linsensuppe mit Schinken (8,90 €), oder als leichteres Mittagessen ein Bauernbrot mit selbstgemachter Leberwurst und sauren Gurken (12,40 €). Reservierung am Wochenende empfehlenswert, an Werktagen im Mai meist nicht nötig.

Der Biergarten hinter dem Haus blickt direkt auf den See; bei gutem Wetter lohnt es sich, hier eine knappe Stunde Pause zu machen, das Rad anzuschließen und im Schatten der alten Kastanien zu sitzen.

Stopp 5 — Hof Müller-Bautz, Phöben (km 23)

Adresse: Dorfstraße 14, 14542 Werder/Phöben Öffnungszeiten: Mo–Fr 8–18 Uhr, Sa 8–13 Uhr, So geschlossen Angebot: Kürbisse (im Herbst), Gemüse aus Eigenanbau (im Mai: Spargel, Spinat, Rhabarber, erste Salate), Eier vom eigenen Hof (10er-Karton 4,50 €), Rotweinessig aus Reesdorfer Weinbau (250ml 7,80 €)

Müller-Bautz ist kein klassischer Obsthof, sondern ein gemischter landwirtschaftlicher Betrieb, der sich in den letzten zehn Jahren zu einer kleinen Anlaufstelle für Berliner Direktvermarktung entwickelt hat. Im Mai ist hier der Rhabarber das Hauptprodukt — Stangen so dick wie ein Daumen, dunkelrot, mit fast nussigem Aroma. Wer Backen will: 1 Kilogramm reicht für einen großen Rhabarber-Streuselkuchen für sechs Personen.

Stopp 6 — Töplitzer Erdbeerhof, Töplitz (km 31)

Adresse: Am Töplitzer See 7, 14476 Töplitz Öffnungszeiten: Mai–September täglich 9–19 Uhr, Oktober nur Wochenenden Angebot: Erdbeeren (Selbstpflück oder gepflückt, 3,80 €/500g im Mai), Marmeladen, ein kleiner Hofkaffee mit Kuchen, Spargel (in Saison vom benachbarten Beelitzer Bezugspartner), Kartoffeln

Die Töplitzer Erdbeerhöfe gehören zu den ältesten der Region; der hier empfohlene Hof ist der nordwestliche, etwas außerhalb des Dorfes gelegene Betrieb. Im Mai sind die ersten Erdbeerfelder unter Folientunneln bereits beerntungsreif; ab Mitte Mai kann man sich selbst pflücken, was eine entspannte Pause inmitten der Tour ergibt. Der Hofkaffee serviert einen exzellenten Bratapfel-Kuchen (4,20 € / Stück), der noch aus der Wintersaison übrig ist — Backwerk auf Apfelbasis hat hier im Mai eine besondere Note, weil die Bäcker:innen mit den letzten Lagerfrüchten arbeiten, die im April den Höhepunkt ihrer Lagerreife erreichen.

Stopp 7 — Hofkäserei Brandenburger Höhe, Plötzin (km 38)

Adresse: An der Plötziner Mühle 4, 14542 Werder/Plötzin Öffnungszeiten: Do+Fr 14–18 Uhr, Sa 9–14 Uhr, sonst geschlossen Angebot: Frischkäse aus Kuhmilch (Eigenherstellung, 250g-Becher 4,80 €), Camembert-ähnlicher Weichkäse (Stück ca. 200g, 7,90 €), Hartkäse mit Kümmel (im Mai die erste Frühjahrscharge, 100g 4,20 €), Joghurt im Pfandglas (1l 3,60 €)

Die kleine Käserei in Plötzin ist eine Berliner Quereinsteigerin (sie selbst sagt, sie sei „aus Friedrichshain hierher geflüchtet”) und produziert seit 2019 Käse aus der Milch eines Nachbarhofs (Demeter-zertifiziert, 22 Kühe, alle namensbekannt). Die Mengen sind klein, das Angebot wechselt, und an einem Samstagvormittag im Mai stehen oft sechs oder sieben Personen vor dem Hofladen Schlange. Wer keine Schlange mag, kommt am Freitagnachmittag.

Rückweg nach Werder (km 42)

Von Plötzin sind es etwa vier Kilometer auf einem leicht hügeligen Radweg zurück nach Werder. Der Weg führt durch ein kleines Waldstück und an einer alten Wassermühle vorbei (Plötziner Mühle, heute Wohnhaus, nicht zugänglich, aber von außen sehenswert). In Werder selbst empfehle ich, das Fahrrad am Bahnhof zu lassen und mit einem letzten kurzen Stadtspaziergang durch die Altstadt zu schließen — die Heilig-Geist-Kirche, der Marktplatz, das Baumblütenfest-Denkmal an der Eisenbahnstraße. Die Stadt ist im Mai erfreulich entspannt; das große Baumblütenfest, das im Juni stattfindet, hat den Andrang noch nicht erreicht.

Mit dem RE1 zurück nach Berlin, etwa stündlich, letzte Abfahrt um 22:34 Uhr.

Tipps und Hinweise

Wetter: Mai im Werderaner Obstland ist meist mild und trocken, gelegentlich aber mit Schauern. Eine Regenjacke gehört in den Rucksack. Wer regenempfindlich ist, prüft kurzfristig das Wetter und plant die Tour bei stabiler Vorhersage.

Räder: Trekkingrad oder Citybike reicht völlig; die Wege sind asphaltiert oder feinschotterig. E-Bikes sind in Werder am Bahnhof zwei Anbieter mietbar (rund 25 € pro Tag plus Pfand).

Einkaufsmenge: Wer alle sieben Stopps macht und an jedem ein wenig einkauft, kommt mit dem Rucksack schnell an seine Grenzen. Eine Satteltasche oder ein kleiner Rad-Anhänger ist sinnvoll, gerade wenn man eine Mehrtagesvariante plant. Eine Kühltasche für Käse und Frischmilchprodukte ist im Mai noch nicht zwingend, aber empfehlenswert.

Letzte Notiz: Die genannten Preise und Öffnungszeiten beziehen sich auf den Stand Mai 2026 und sind nach bestem Wissen recherchiert. Vor einer Tour an einem heiklen Wochenende lohnt sich ein kurzer Anruf bei den jeweiligen Höfen — Tourismusbüro Werder (03327-783-118) hat die aktuellen Telefonnummern.


Ressort: Wege